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Seit 1990 ist unsere Gemeinde stark gewachsen. Es wurden in kurzer Zeit allein 4 B-Pläne für Wohnbebauung ausgewiesen, die sehr schnell auch bebaut wurden. In keinem Gebiet ist ein Spielplatz ausgewiesen (Dat geit og so, wi häb je een Speelplatz am Kindergorn).1999 traten Jugendliche an den Jugend- und Sportausschuss der Gemeinde heran und wiesen darauf hin, dass für Ältere kein Angebot besteht. Diese Aussagen deckten sich mit den Feststellungen des Ausschusses, z.B. beim Ferienprogramm etc.. Um die Attraktivität als Wohngemeinde zu steigern und zunehmenden Vandalismus vorzubeugen, beschloss die Gemeinde, die Jugendlichen aktiv an den Planungen zu beteiligen. Nachdem verschiedene Möglichkeiten, wie Jugendbeirat, Jugendeinwohnerversammlung, Anhörung usw. beraten worden waren, wurde der Beschluss gefasst, die Kinder und Jugendlichen projektbezogen zu beteiligen.

Idee: Ausgestaltung einer Fläche am Gemeindezentrum Alte Schule mit und für die Jugendlichen. Einbindung der Jugend in das Dorfgemeinschaftszentrum, aktive Beteiligung, um Vandalismus, aber auch Fehlinvestitionen vorzubeugen.Gleitender Übergang zwischen dem Spielplatz des Kindergartens, sonstigen Spielgeräten zum Spieleland.


Planungs- und Beteiligungsschritte des Projektes

Als erster Schritt wurde am 29. Januar 2000 eine sehr gute, eintägige Zukunftswerkstatt mit 26 Jugendlichen 10 bis 16 Jahren unter fachkundiger Moderation von Herrn Hasse und Frau Encke durchgeführt. Im Klagekoffer musste sich die Gemeinde eine Menge Kritik gefallen lassen, aber es wurden auch viele gute Ideen und Vorschläge geboren. Folgende Wünsche / Verbesserungsvorschläge wurden mehrfach benannt:

· Attraktiveres Ferienprogramm mit Zelten, Disko und Fußballturnier
· Treffpunkt mit Clubhaus, Sportplatz, Teerfläche, Ruhefläche und Geräte
· Angebote für Jugendliche im Sportverein (Fußball) und in der Feuerwehr (Jugendfeuerwehr)

Für die Gestaltung der Freifläche bastelten die Jugendlichen vier Modelle und stellten sie der Öffentlichkeit vor.     

Als schnell umzusetzende Idee wurde zunächst die Verbesserung des Ferienprogramms in Angriff genommen. Dazu wurden die oben genannten drei Angebote von den Jugendlichen selber organisiert und durchgeführt. Dieses Vorgehen soll fester Bestandteil der zukünftigen Ferienprogrammplanung werden, um Interessen der Jugendlichen besser kennen zu lernen und zu berücksichtigen. Besonders wichtig aber war es, einen geeigneten Architekten zu finden, der bereit war, mit Jugendlichen zu arbeiten. Dafür wurde der Architekt Lothar Köhler gewonnen.  Im Bereich der alten Schule Nindorf entwickelte sich inzwischen der dorfgemeinschaftliche Mittelpunkt der Gemeinde. Hier sind der Kindergarten, die Feuerwehr und der Sportverein untergebracht. Außerdem treffen sich hier auch alle anderen Vereine und Organisationen der Gemeinde, es finden Feste und das Ferienprogramm statt. Daher war es sinnvoll, hier auch die Wünsche der Kinder und Jugendlichen zu realisieren. Für diese Zwecke erwarb die Gemeinde die an den Sportplatz angrenzende Fläche, um hier die Jugendfreizeitfläche und den neuen Bolzplatz unterzubringen. Die Kinder und Jugendlichen beurteilten die Fläche positiv. Am 15. September 2000 trafen sich Gemeinde, Architekt und Jugendliche, um noch einmal die Modelle auszuwerten und die Prioritäten festzulegen. Anschließend wurden drei jugendliche  Arbeitsgruppen zu den wichtigsten Elementen der Freizeitfläche wie Clubhaus, multifunktionale Spielfläche und Kletterwand gebildet. Diese Arbeitsgruppen hatten die Aufgabe, Material zu den geplanten Einrichtungen zu sammeln. Eine Woche später wurde das Gelände zusammen mit den Jugendlichen vermessen. Für die Umsetzung der Ideen war es notwendig, die Bauleitplanung der Gemeinde zu aktualisieren. Dadurch geriet die Umsetzung der Jugendfreizeitfläche zunächst ein wenig ins Stocken.

 


Im Dezember 2001 fasste die Gemeinde den Aufstellungsbeschluss für die F-Plan-Änderung.. Hiervon ist das Gebiet angrenzend an die alte Schule und den Sportplatz betroffen. Geplant ist die Erweiterung des Kindergartens, die Schaffung der Jugendfreizeitfläche und die Schaffung eines Bolzplatzes, gleichzeitig wurde ein Lärmschutzgutachten veranlasst , das zur Freude aller zu keinen wesentlichen Einschränkungen der Planung führte. Im Februar bzw. März 2002 fasste die Gemeinde dann für die F-Plan-Änderung und die B-Plan-Aufstellung den Entwurfs- und Auslegungsbeschluss. Im Januar 2002 ging die Beteiligung der Jugendlichen weiter. Da sich inzwischen die Zusammensetzung der Jugendlichen  verändert hatte und von den an der Zukunftswerkstatt beteiligten Jugendlichen nur wenige dabei waren,  wurde das Konzept der Jugendfreizeitfläche noch einmal überdacht und die Wünsche definiert. Die Jugendlichen wünschten sich den Ausbau in folgender Reihenfolge:

· eine Hütte (Clubhaus) – Nindorf-Treff

· ein Multifunktionsfeld als asphaltierte Fläche ca. 20 x 30 m

· einen kleinen Spielplatz

· eine Crossbahn

· einen Bolzplatz
 

 

Für die drei ersten Bausteine wurden die Ideen zur Ausgestaltung zusammengetragen. Herr Köhler wurde beauftragt, die Ideen der Jugendlichen in eine weitere Planung umzusetzen und Kosten zu ermitteln. Am 15. März 2002 wurde die Planung des Architekten den Jugendlichen vorgestellt und diskutiert. Dieses Konzept wurde von den Jugendlichen akzeptiert und soll so ab Sommer 2002 realisiert werden. Am 28. März 2002 haben die Jugendlichen den Plan auf der Gemeindevertreter-Sitzung vorgestellt.
 
Bei der Finanzierung kam der Gemeinde die LSE (Ländliche Struktur- und Entwicklungsanalyse) zugute, in der das „Spieleland Nindorf“ als vorgezogenes Leitprojekt ausgewählt und mit 40% Förderung aus Mitteln des Landes Schleswig-Holstein und der EU im Rahmen der Dorf- und ländlichen Regionalentwicklung unterstützt wurde. Die Kosten für Clubhaus, Multifunktionsfeld, Spielplatz, Entschärfung der Zufahrt zu dem Gelände und Nebenkosten wurden rund 200.000 Euro veranschlagt.Die Trägerschaft übernahm die Gemeinde Nindorf. Sie wird auch für die Unterhaltung des Gebäudes sorgen.


 
Um die weitere Begleitung der Jugendlichen zu fördern, die Projekte auch finanziell zu unterstützen und den Jugendausschuss zu entlasten wurde im Juni 2002 auf Anregung des Bürgermeisters ein Förderverein  gegründet. Unter seiner Leitung erfolgte die aktive Beteiligung beim Aufbau der Spielgeräte, Bepflanzung der Knicks, Bau der Hütte und den Außenanlagen. Vor der Ausschreibung von Baumaßnahmen wird mit den Jugendlichen abgestimmt, was selbst gemacht und was Fachleute übernehmen müssen. Auch wird immer wieder hinterfragt, ob das Projekt, die Spielgeräte, Farbe der Fenster etc. noch den Vorstellungen entspricht. Natürlich wurde auch der Name des Geländes und des Jugendtreffs von den Jugendlichen bestimmt, das Gelände wurde „Nindorfer Spieleland“ und der Jugendtreff auf den Namen „Crazy House“ getauft. Vom Spatenstich für das „Crazy House“ bis zur Einweihung der gesamten Anlage trafen sich dann an vielen Wochenenden und die Jugendlichen um das Projekt in vielen Einzelaktionen in die Tat umzusetzen. Tatkräftige Unterstützung erhielten sie dabei vom Förderverein und vielen Erwachsenen, sogar zwei Rentner (Tischler und Zimmermann) unterstützten die Jugendlichen beim Bau des Jugendtreffs, aber auch die Ortsansässigen Unternehmen unterstützten durch zum Teil kostenloses Bereitstellen von Maschinen, bzw. von Baumaterialien,  alle Veranstaltungen wurden  von der Gemeinde  und dem Jugendausschuss unterstützt, bei keiner Veranstaltung kam der Spaßfaktor zu kurz, oftmals wurde die Veranstaltung durch einen Grillabend, oder ein gemeinsames Essen oder Kaffeetrinken abgerundet.  Neben den „ teuren Objekten“ Jugendtreff; Multifeld, Spielplatz wurden durch einfache Mittel eine Bolzplatz, eine Crossbahn, ein Rodelhügel, eine Bosselbahn, ein Lagerfeuerplatz und ein Zeltplatz in Eigenleistung mit den Jugendlichen erschaffen.


Kurz vor der  Fertigstellung des Jugendtreffs wurde durch die Jugendlichen im Rahmen einer Jugendversammlung die Hausordnung selbst festgelegt, Sie bestimmten die Öffnungszeiten und wurden an der Auswahl der Betreuungs-Kräfte beteiligt (die Betreuung war übrigens auch ein Wunsch der Jugendlichen), weiterhin war ihre Beteiligung bei der Inneneinrichtung gefragt. Ohne wesentliche Beteiligung der Gemeinde konnte so die Inneneinrichtung aufgrund von Spenden aus der Bevölkerung durch die Jugendlichen selbst vorgenommen werden.

Ab 01. Dezember 2003 wird der Jugendtreff mehrmals wöchentlich durch die Jugendlichen genutzt, die Betreuung an diesen Tagen ist durch eine Sozialpädagogische Assistentin sowie mehrere Jugendgruppenleiter und Ehrenamtliches Personal sichergestelt und  wird finaziell durch die Gemeinde und den Förderverein getragen. Das Crazy House wird regelmäßig durch 15- 25 Kinder und Jugendliche im Alter von 8 -15 Jahre besucht, Ziel ist, dieses weiter auszubauen und in Zukunft gerade die älteren Jugendlichen mehr einzubinden.
 

 

Krönender Abschluß des gesamten Projektes war die Auszeichnung der Gemeinde mit dem Tausendsassa - Dieter – Tiemann -  Preis durch das Land Schleswig Holstein.  In der Kategorie Kommunale Beteiligungsprojekte erreichte die Gemeinde Nindorf zusammen mit der Gemeinde Sommerland den ersten Preis und durfte aus den Händen der Jugendministerin Anne Lüdkes eine Urkunde sowie einen Check über 1250,- Euro entgegen nehmen. In der Begründung hieß es, das Nindorf mit großer Ernsthaftigkeit  das Projekt geplant und umgesetzt, das Vertrauen der Jugend in die Politik aufgebaut und eine Leuchtturmwirkung über das Amt hinaus erzielt habe.  

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